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1961 | die erste Flasche nach der Geburt | Wiesbaden
1961 | Wiesbaden

Winzig und nackt bin ich, als es beginnt.

1968 | mit Oma und Opa | Vechta
1961 | Vechta

Daheim bei Oma & Opa in Vechta. Im Ermland geboren, leben meine Großeltern nach ihrer Hochzeit in Masuren. Auf einem Konkurs-Hof bauen sie ihre Landwirtschaft auf und selbstversorgen damit drei kinderreiche Familien wie etliche Landarbeiter. Der Betrieb floriert, die Schulden sind fast abgetragen, da zerstört Krieg ihren hart erarbeiteten Lebenstraum. Zehn Monate Flucht, Vertreibung und Hunger überleben sie zusammen mit den Kindern; das Überleben als ihr Maximum. In der niedersächsischen Kleinstadt Vechta finden sie neues Zuhause. Als Zugabe komme Weihnachten 1961 ich. Meiner allein erziehenden Mutter bietet seinerzeit noch nichtmal Frankfurt am Main die Chance, zu arbeiten und gleichzeitig ein Kind groß zu kriegen.

1968 | Der erste Schultag | Frankfurt am Main
1968 | Frankfurt am Main

In Wiesbaden Sonnenberg, wo Konrad Duden starb, dort erblicke ich die Welt; in Johann Wolfgang Goethes Geburtsstadt Frankfurt am Main komme ich in die 1. Klasse. Auf die Eichendorffschule. Das verpflichtet.

1970 | Erstkommunion | Frankfurt am Main
1970 | Religion

Ich sehe fromm aus. Zur Erstkommunion in St. Hedwig in Frankfurt am Main Griesheim. Aber aus mir wird kein Pfarrer.

1971 | mit der Mama in den Bergen über Millstatt
1971 | Mama

Ohne sie wär’ alles nichts. Wandern mit Mami. Unten Millstätter See, oben Nock, Alexanderhütte, Milch und Jause.

1975 | als TV-Reporter für die ZDF-Sendung Schüler-Express | Hofheim am Taunus
1975 | Fernsehen

Fernsehreporter: Für das ZDF-Jugendmagazin Schüler-Express sind wir in Hessen unterwegs. Vor den Wahlen befragen wir Landtagskandidaten nach ihren im Wahlprogramm formulierten Zielen. Ein halbes Jahr nach der Wahl überprüfen wir den Stand deren Umsetzung und interviewen abermals die dafür gewählten Abgeordneten.

1980 | Portugal | Sommerferien
1980 | Portugal | Hofheim

Diese schöne Fotografie hänge ich für die Wahl zur Schülervertretung in der Pausenhalle der Hofheimer Main-Taunus-Schule aus. Gewählt werde ich nicht. Frankfurter haben es schwer im Taunus. Selbst wenn sie für ein Foto bis hin nach Portugal fahren. In den Sommerferien. Mit einem ollen, verbeulten Citroën.

Denn also Schülerzeitung statt Schülervertretung. Die OASE. Dafür bedienen wir uns schon mal bei Newsweek. Selbstverständlich lesen wir auch Newsweek. Es wird heiß diskutiert, ausgeschnitten, gemalt, geklebt, fotokopiert. Und Text hacken wir in die Schreibmaschine ohne Korrekturfunktion.

Zu lesen gibt es Interviews: Mit dem Leiter der Schulbibliothek, der kündigte, weil er sich beschnitten sah in seiner freien Meinungsäußerung. Oder mit dem Geigen-Virtuosen Gidon Kremer, der nach dem Konzert in der Frankfurter Jahrhunderthalle in seiner Garderobe nicht die FR oder die FAZ empfängt, aber uns. Die „Unmenschlichkeit“ des Schulgebäudes ist Thema wie das militärische Hochrüsten der Welt. „Sein statt haben“, was Sozialwissenschaftliches. Psychologischer Essay über „Schule – mächtigster Manipulationsapparat“. Literaturkritiken. Und Gedichte natürlich; eigene. Unter Pseudonym. Natürlich.

Lernen für’s Leben verdanke ich zwei Hofheimer Lehrern, die mir auch Freunde sind: In Unter- und Mittelstufe dem fabelhaften Hans Ulrich Colmar, der uns mit Leidenschaft unterrichtet und lenkt; in Deutsch lesen wir Gedichte, und vorzutragen haben wir sie, Moderne wie Klassik; in Französisch stößt uns Colmar auf Albert Camus‘ Die Pest.

Die Oberstufe prägt mir Ludwig Rheinfels; im Leistungskurs Sozial-Wissenschaften schert sich der in den Schuldienst quereingestiegene Top-Manager und Strich-Achtfahrer lässig, aber zielorientiert einen Teufel um Lehrpläne, stattdessen kommt er uns psychologisch: mit Arthur Janovs Der Urschrei, Thomas Ziehes Pubertät und Narzißmus, C.G. Jungs Grundlagen der analytischen Psychoanalyse oder mit Klaus Theweleits kulturtheorethischem Buchmonster Männerphantasien; unserem Gemaule, er bombardiere uns mit Fremdwörtertexten, begegnet er mit Gelächter und dem lapidaren Hinweis, dass uns im Leben noch allerhand erwarte und wir uns da deshalb jetzt durchzubeißen hätten. Hat sich was mit Laberfach SoWi.

1986 | GRÖSSENWAHN | Erste Ausgabe, Lesen auf der literarischen Party in der Uni-Aula | Vechta
1982 | Studium

Im Frühjahr 1982 starte ich an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main ins Studium der Literatur. Zwei Professoren verdanke ich Erstbegegnung mit prägender Dichtung: Winfried Frey führt mich ins Mittelalter zu Oswald von Wolkenstein, Volker Bohn in die Moderne zu Gottfried Benn. Nach einem Semester ruft mich die staatsbürgerliche Pflicht zum Zivildienst. Weil inzwischen Opa gestorben ist, miete ich mich bei Oma in Vechta ein und trete gleich in der Nachbarschaft beim Malteser Hilfsdienst meine Zivi-Stelle als Sanitäter an. Die WG mit Oma ist ein Traum, ich bleibe zum Weiterstudieren: an der Universität in Vechta. Die gibt’s.

Und in der Germanistik haben wir dort vier grandiose Professoren; allesamt brennen sie mit Expertise für ihre Themen: Otto Hannes Dörner stößt mich auf Rolf Dieter Brinkmann, Wilfried Kürschner erweckt in mir die Liebe zur Grammatik, Edgar Papp liest mit uns das Mittelhochdeutsche lebendig, und mit Jürgen Thöming entdecken wir Literatur im Widerstand. Jeder nach seiner Fasson, unterstützen die Herren uns traumhaft.

Bei anderen Lehrenden dagegen nimmt das Studium mitunter solch groteske Züge an, dass das Eigentliche dem Sekundären zugrundeliegende nicht mal mehr zur Sprache kommt: das schriftstellerische Werk. Wahrscheinlich lesen sie es gar nicht.

Die ansteckend animierenden Gelehrten zum einen, die papiernen Dampfplauderer zum anderen, das weckt Entdeckergeist wie es Handlungsbedarf schafft: Wir publizieren unsere eigene Literaturzeitschrift; für eigene Texte und für die anderer Autorinnen und Autoren.

Unsere in wechselnder Besetzung herausgegebene Schrift nennen wir nach einem berühmten Wiener Künstler-Café: GRÖSSENWAHN. Das mit dem historischen Café macht sich gut, ist aber zweitrangig; GRÖSSENWAHN – insbesondere aus Vechta heraus kann das was.

Die Hefte, sechs Stück werden es, stellen wir auf literarischen Partys in der Aula der Vechtaer Universität vor; teils von einem mitunter sehr bunten Mix Life-Musik begleitet. Selber mischen wir GRÖSSENWAHN-Herausgeber musikalisch auch mit: Jens Wiemken macht Jetarn, das ist multimedial von irgendwie rückgekoppelten Fernsehbildern begleiteter Synthi-Pop, Damian Ryschka dirigiert den sensationellen Männergesangverein Kroge-Ehrendorf, ich singe für die Brachialcombo SODOM UND GOMORRHA und für die TONALE KOHORTE. Wir machen – tja, was machen wir: Avantgarde Rock, darunter kann man sich alles vorstellen und nichts; klingt halt irgendwie geil.

Wenn dazu noch schrille Bremer Waver kommen oder die Vechtaer Punks der Meinrath von Hindenburg Corporation, dann wird es lebhaft im Saal. Die Punkband kann nur mit Mühen davon überzeugt werden, dass das akustisch wie optisch schon sehr effiziente Zerflexen von Ölfässern auf der Bühne keiner Ergänzung mehr durch ein zu schlachtenden Huhn bedarf; berechtigte Kritik an Massentierhaltung hin oder her.

Drucken lassen können wir die GRÖSSENWAHN-Auflage von 300 Stück gegen eine Kiste Bier plus Materialkosten in – pssst – einer Amtsdruckerei im benachbarten Diepholz. Die Pappeinbände fertigen wir teils im Siebdruck oder wir hängen sie im Garten auf Omas Wäscheleine und besprühen sie mit Farbe. Dann wird zusammengelegt und zusammengetackert. Wir verkaufen zum Preis von 3.- bis 4,80.- Mark.

Die Arbeit mit an und um GRÖSSENWAHN bringt uns Zerstreuung wie überregionale Kontakte zu Autorinnen und Autoren, Zugang zur Mannigfaltigkeit sprachlichen Ausdrucks, das eine und andere Mal um Schlaf wie Verstand und sehr schnell den erstrebten Ruf, ein elitärer Haufen zu sein – worin uns zu unserer großen Freude die Frankfurter Allgemeine Zeitung unterstützt, deren Feuilleton drei unserer sechs literarischen Bastelarbeiten wohlwollend erwähnt. Auch bringt uns solch adelnde Rezension einige Bestellungen aus der Ferne, sogar aus Übersee. Geht.

In meinen anderen beiden Disziplinen Kunst und Psychologie schaffe ich es über fast die gesamte Studienzeit, den Salbaderern und Dünnbrettbohrern aus Forschung und Leere auszuweichen.

In meinem besten Prüfungsfach Psychologie liebe ich die Vorlesungen und Seminare zweier Professoren, die einander lieber herzlich vermeiden: Sprachpsychologie bei der Wiener Grande Dame Stephanie Krenn. Und Epidemiologie bei dem großen Pragmatiker Jürgen Howe. In Bodenkontakt halten mich etliche Veranstaltungen und Verrichtungen in Psychosozialer Praxis beim Therapeuten Peter Bublitz.

Die Kunst absolviere ich tatsächlich ohne dänischen Schiffsschrott zu malen; weshalb die bedeutenden Exkursionen der Fakultät, nämlich in Dänemark Schiffsschrott zu malen, alljährlich ohne mich stattfinden. Stattdessen liebe ich Photographie bei den Photographen Alexander Gräbner und Michael Nath sowie Siebdruck und Plastik bei Künstler Ulrich Fox. Welch wunderbare Wochenenden verbringe ich mit Farbe, Rakel und Sieb oder in der Dunkelkammer. Und wie erfrischend ist das Betrachten von Gegenwartskunst mit dem ausschweifenden Sammler und Kritiker Jürgen Weichhardt.

Zur Prüfung allerdings kann ich den dänenschiffsschrottmalenden Professor doch nicht vermeiden. Aber er lobt meine „beachtlichen“ praktischen Arbeiten und winkt mich durch unter der Bedingung, die Kunst nie wieder wissenschaftlich anzugehen. Das zu versprechen fällt mir leicht. Weshalb mein Studiumfinale hier sehr befreiend ist: Allseits großes Gelächter.

1987 | ANGERS
1987/88 | ANGERS

Dank DAAD-Stipendium kann ich von Herbst bis Frühjahr in Frankreich studieren: Literatur und Sprache. Und die Loire-Weine. Die Mensa in Angers ist ungenießbar unterirdisch indiskutabel – als erfahrener Kantinenmittagesser seit dem 5. Lebensjahr darf ich das sagen -,  also ernähre ich mich unter der Woche tagsüber von Croissants, Milchkaffee & Tomaten sowie abends von Baguette, Ziegenkäse & Saumur. Samstagsonntag wird das Stipendium in anständigen Restaurants in anständige Acht-Gänge-Menüs investiert. Unterwegs bin ich oft mit dem wunderbaren Roberto Menichetti; der Kulturwissenschaftler aus der Toskana verehrt die Literatur, die Frauen und Juventus Turin.

Spectaculum Suhrkamp
1987 & 1989 | Suhrkamp

Bei Suhrkamp volontiere ich im Theaterverlag, jeweils in den Semesterferien. Die große Lust: Am legendären Spectaculum darf ich mitarbeiten; eingehende Manuskripte bekannter wie unbekannter Autorinnen und Autoren lese und begutachte ich; Texte sehr bekannter Autoren sind selbstredend  sehr wohlgesonnen zu begutachten; fast jeden Abend besuche ich eine Aufführung: in Staatsschauspiel, an städtischer oder freier Bühne. 

Boss in der alten Villa gegenüber dem so geschichtsträchtigen und berühmten Suhrkamp-Haus in der Lindenstraße ist der spätere Suhrkamp-Programmchef Rainer Weiss, der 2008 seinen eigenen Buch-Verlag gründet: weissbooks; in Deutschlands Literaturhauptstadt natürlich, in Frankfurt am Main; so wie einst der Südoldenburger Jung Peter Suhrkamp. 

Aus der Arbeit bei Suhrkamp ergibt sich weiteres Tun: als Theaterkritiker schreibe ich für Tageszeitungen über Premieren in Bremen, Hamburg, Hannover, Oldenburg und Osnabrück. 

1988 | TONALE KOHORTE | auf dem Römerberg beim Kunstfestival tiefoben | Frankfurt am Main
1988 | Tonale Kohorte | Sodom & Gomorrha

TONALE KOHORTE nennen wir unsere Band für die Auftritte beim Frankfurter Festival „tiefoben“ der Gruppe Kunst im Park (um den Künstler Jörg Stein herum) auf dem Römerberg. Wir spielen auf Archäologie: im Schwitzbad einer römischen Therme direkt vor dem Frankfurter Dom. Bass Lutz Gritzka, Gitarre Rainer Gritzka, Keyboards Martin Nemann, Stimme Marco Sagurna, Schlagzeug Stefan Salhoff und Keyboards Jens Wiemken. Was für sensationelle Tage.

Als SODOM & GOMORRHA sind Stefan, Rainer und ich schon 1987 auf dem Festival „mehrgleisig“ der Gruppe Kunst im Park im Frankfurter Südbahnhof aufgetreten. Unser Programm: Die „Variation dreier Wörter mit Stimme, Schlagwerk und Gitarre“.

SODOM & GOMORRHA: „Sodom und Gomorrha – Die Variation dreier Wörter mit Stimme, Schlagwerk & Gitarre“ –  Mitschnitt aus der Livesendung „RIZZ“, Radio Bremen 10.6.1987; Moderator Otmar Willi Weber (OWI); aus der Uni-Aula Vechta

TONALE KOHORTE: „To be happy“ – Studioversion (englisch)

TONALE KOHORTE: „Pferde gestriegelt“ – Studioversion

TONALE KOHORTE | ``Gold`` & ``to be happy``
TONALE KOHORTE | ``Pferde gestriegelt`` & ``Olé``
1994 | mit Mitherausgeber Gunter Geduldig und unserem Buch "too much - das lange Leben des Rolf Dieter Brinkmann" auf der Frankfurter Buchmesse | Frankfurt am Main
1994 | Frankfurter Buchmesse

Frankfurter Buchmesse, der Aachener Alano Verlag präsentiert unser Dichter-Buch: „too much – Das lange Leben des Rolf Dieter Brinkmann“. Darauf stoße ich mit Mitherausgeber Gunter Geduldig an; der ist auch Präsident der Rolf-Dieter-Brinkmann-Gesellschaft; fast alle Zeit ihres 20-jährigen Bestehens.

Zwei Jahre lang – oder waren es drei? – waren wir für „too much“ durchs Land gereist. In Berlin, Frankfurt am Main, Köln, Osnabrück und daheim in Vechta hatten wir Weggefährten wie kritische Begleiter Rolf Dieter Brinkmanns getroffen. Mit ihnen über den Dichter und sein Werk gesprochen. Und oder sie um Text gebeten.

Hermann Peter Piwitt, Jan Koneffke, Marcel Reich-Ranicki, Ralf-Rainer Rygulla, Joachim Sartorius, Heinrich Vormweg, Richard Wagner, Dieter Wellershoff und andere; das Buch versammelt illustre Namen der Literatur sowie Bekannte und Freunde Brinkmanns.

So ein halbes Jahr lang scheint es, als interessiere sich außer uns selbst keiner für dieses Buch, dann – hüstel hüstel – bricht ein Rezensions-Sturm los. Nachdem Die Welt ihre Kultur mit „too much…“ aufmacht, kommt die taz mit einer Doppelseite, Die Woche mit fast einer Seite, die FAZ bringt einen anständigen Riemen; umfangreiche Besprechungen kommen in Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung, Neues Rheinland, Junge Welt und und und. Den einzigen Verriss schreibt ausgerechnet die Zeitung, mit der ich in Frankfurt aufgewachsen bin: die FR. 26 Besprechungen habe ich archiviert. Wer sich auch sekundär mit dem Dichter Rolf Dieter Brinkmann beschäftigt, die der kommt an „too much…“ nicht vorbei. So ist das.

Unser Interview mit Brinkmanns langjährigem literarischen Mitstreiter und Kollaborateur Ralf Rainer Rygulla publiziert die tageszeitung vorab in Ausschnitten: „Es genügten ihm seine Empfindungen der Welt gegenüber“.

1996 | zusammen mit Cornelius Riewerts, dem in Galway lehrenden Literaturwissenschaftler Hermann Rasche & Künstler Joe Boske präsentiere ich EISWASSER Irland special im Wirtshaus Zum alten Pferdestall | Vechta
1996 | EISWASSER Irland

Im Vechtaer Wirtshaus Zum Alten Pferdestall stellen wir unser erstes Länderheft der Literaturzeitschrift EISWASSER vor. Von links nach rechts: Eiswasser-Verleger Cornelius Riewerts (†), der in Vechta gebürtige und an der National University of Ireland lehrende Germanist und Herausgeber Hermann Rasche, ich und als Titelgestalter der in Irland lebende Künstler Joe Boske.

1997 | Redakteur für Kultur und Unterhaltung bei der Oldenburgischen Volkszeitung | Vechta
1997 | Tageszeitung

Gut 13 Jahre mache ich Tageszeitung. Während des Studiums als freier Mitarbeiter, seit dem Volontariat im Traumberuf Redakteur; vier Jahre davon die großartige Redaktion „Kultur & Unterhaltung“ bei der OV : Oldenburgische Volkszeitung (Bild). In Vechta. Chefredakteur ist der belesene Weltgeist Cornelius Riewerts (†); zusammen mit Conny – wie wir ihn nennen – und anderen (mit)gründe ich auch die Rolf-Dieter-Brinkmann-Gesellschaft wie den Eiswasser Verlag.

1998 | zusammen mit den Autoren Horst Samson, Henning Ahrens und Susanne Uhlmann präsentiere ich EISWASSER Echte Blüten im Haus im Moor | Goldenstedt
1998 | EISWASSER Echte Blüten

Im Goldenstedter Naturschutztempel Haus im Moor dürfen wir auf Einladung von Bürgermeister Willibald Meyer EISWASSER – Echte Blüten vorstellen, eine Ausgabe mit moderner deutschsprachiger Naturlyrik. Im Bild: Buchhändlerin Ursula Schüssler, Dichter Horst Samson, ich, Mitherausgeber Dirk Dasenbrock, Blüten-Redakteurin Susanne Uhlmann, Dichter Henning Ahrens und Journalist Giorgio Tzimurtas.

Tag des Gedichts groß
1998 | TAG DES GEDICHTS

Den 4. Dezember 1998 macht die Oldenburgische Volkszeitung zum „Tag des Gedichts“. Und schreibt damit Zeitungsgeschichte. Ein winzigkleines Stück Zeitungsgeschichte. Aber ein kühnes.

An jenem Freitag, es ist der Geburtstag Rainer Maria Rilkes, erscheint auf jeder – technisch möglichen – Seite ein Gedicht. 43 sind das, bei 56 Zeitungsseiten: Rilke platziert neben Kindergeldausgleich, Karl Krolow neben Bad Pyrmonter Geiselnahme, Ror Wolf über dem Wetter und Johann Wolfgang von Goethe neben der CeBIT in Erwartung eines Ausstellerrekordes. Oder im Anzeigenteil: Gerald Zschorsch zwischen den neuen Fahrradmodellen von BÜLD und nordlufts wärme-lüftungstechnik, Rolf Dieter Brinkmann unter der Nikolaus-Party von Kramer-Rüschendorf, Horst Samson unter Bruno Kleines Herren-Hemden – große Auswahl. Und C.W. Aigner neben Krapps Vorführtag Original-italienische Espresso-Maschinen.

Die Poesie sei „die edelste Verwandte des Journalismus“, so formuliert es unser Chefredakteur, Literaturfreund und Leseförderer Cornelius „Conny“ Riewerts, dem ich den Vorschlag für diesen „Tag des Gedichts“ einige Wochen zuvor beim Feierabendbier mache; im Alten Pferdestall bei Torte & Ulla und – die Materie projektorientiert vertiefend – in Hannas Wirtshaus Zur Quelle. Der Chef überschläft die Idee eine Nacht. Und steigt ein: Die Ausgabe mit dem “Tag des Gedichts“ möge dieses eine Mal den Spruch widerlegen, dass nichts so alt sei, wie die Zeitung von gestern.

Anfangs im ganzen Hause für verrückt erklärt, können wir schließlich sowohl in der Redaktion als auch in der Technik lyrisches Entzücken entfachen. Die Lokalredaktion sucht die Poesie regional bedeutender Autorinnen & Autoren selber aus, die Sportredaktion liefert sportliche Lyrik, und durch die Setzerei schallt Gelächter, nachdem wiedermal ein Gedicht rezitiert und zwischen die Anzeigen aufs Montagebrett geklebt wurde. Am Computer-Bildschirm wurde die Zeitung seinerzeit erst teilweise gesetzt, gestaltet und für den Druck vorbereitet.

Unser Projekt funzzt: Zum ersten Mal meldet die Oldenburgische Volkszeitung ihre Auflage ausverkauft. Leserinnen & Leser rufen vergnügt an, schicken Dankes-Karten. Bundesweit berichten die Medien über unseren „Tag des Gedichts“, einen Sonderpreis des Deutschen Lokaljournalistenpreises gibt es dafür (worüber sich Erwin Lutz, mein späterer Chefredakteur bei der Neuen Presse / Hannover, noch heute gern amüsiert), und etliche Zeitungen lassen sich anregen für einen „Tag des Gedichts“ ihrerseits. Geiles Ding.

1999 | auf dem Sommerfest des Künstlers und Dichters Jörg Stein präsentiere ich dessen Lyrikband Nächtlinge / Lötzbeuren
1999 | Nächtlinge

Auf seinem Künstlerhof in Lötzbeuren im Hunsrück stelle ich Jörg Steins Lyrikband Nächtlinge vor. Steins Jörg kann Kunst. Bilden und schreiben. Ein Großer.

Leben 2000 EXPO 2000
2000 | Weltausstellung

Zu fünft sind wir seinerzeit in der Redaktion Kultur – Neue Presse Hannover: Angemessene Besetzung für angemessene Begleitung der anfallenden Themen. Und fünf Monate lang habe ich das Privileg, in jenes interdisziplinäre Team berufen zu sein, das auf dem Messegelände Redaktionsräume bezieht, um von der ersten Weltausstellung im neuen Jahrtausend zu berichten.

Zu verdanken habe ich das einem wahren Schlachtross an Chefredakteur: Erwin Lutz; zuhause auf dem Boulevard, kolossaler Blattmacher und kompromisslos für die Sache. Eine liebenswert kantige Persönlichkeit, die auch kompromisslos ist, wenn es gilt, sich vor seine Leute zu stellen.

Weltausstellung – „Die Welt zu Gast in Hannover“ – und auf dem Gelände entfaltet sich die Kraft dieses Slogans. Für den Teil der Welt, dem man bei so einem Spektakel begegnen kann – und das ist überraschend viel mehr als erwartet.

Wie alle in unserer aberwitzigen Kampfgruppe EXPO 2000 : Ich begegne. Der Welt. Jeden Tag. Von morgens bis in die Nacht. Peter Stein und seiner 22-Stunden-Inszenierung von Goethes Faust etwa. Oder Sheik Abdul Al Rshara, der mir seine Vereinigten Arabischen Emirate vorstellt.

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2001 | EISWASSER schweiz.01

Zauberhaft geht es zu auf den Solothurner Literaturtagen. Zusammen mit meinem alpenländischen Mitherausgeber Markus Bundi und Heft-Redakteurin Susanne Uhlmann feiern wir Buchpremiere in Solothurn: EISWASSER schweiz.01.

Auch lerne ich dort den in Indien lehrenden Germanisten Arupon Natarajan kennen, der mich einlädt, als Gastdozent mal an seine Universität zu kommen. Ein Jahr später folge ich der Einladung nach Indien.

2002 | mit Dieter Wellershoff auf einem Literarischen Abend der Rolf-Dieter-Brinkmann-Gesellschaft | Vechta
2002 | Rolf-Dieter-Brinkmann-Gesellschaft

Auf dem Foto zusammen mit dem großen Dieter Wellershoff. Der Schriftsteller und ehemalige Lektor im Literaturverlag Kiepenheuer & Witsch kommt zu uns nach Vechta auf Einladung der Rolf-Dieter-Brinkmann-Gesellschaft, für die ich fast 20 Jahre lang im Vorstand bin.

Als Stars auf unseren Literarischen Abenden wie anderen bunten Veranstaltungen um Text, Klang und Bild haben wir wunderbare wie wundersame Gäste:

Die Dichterinnen und Dichter Christoph Wilhelm Aigner, Ingvar Ambjørnsen, Henning Ahrens, Theo Breuer, Markus Bundi, Peter O. Chotjewitz, Ulrike Draesner, Kurt Drawert, Urs Faes, Beat Gloor, Dieter M. Gräf, Ulla Hahn, Michel Hamburger, Andreas Hausfeld, Hans-Jürgen Heise, Vigdis Hjorth, Sarah Kirsch, Jan Kjærstad, Roland Koch, Jan Koneffke, Dagmar Leupold, Hermann Peter Piwitt, Jamal Tuschick, Horst Samson, Karin Struck, Jürgen Theobaldy, Richard Wagner, Peter Waterhouse, Dieter Wellershoff, Wolf Wondratschek, Annemarie Zornack und Gerald Zschorsch;
die Übersetzerin Gabriele Haefs;
den damaligen Programmchef des Suhrkamp-Verlags, Rainer Weiss;
die Dramatiker Liermann und Weiss;
den Schauspieler Klaus Maria Brandauer,
die Literaturkritiker Hellmuth Karasek und Heinrich Vormweg;
die Germanisten Joachim Dyck und Hermann Rasche;
den Komponisten Hans-Joachim Hespos;
den Künstler Dietrich „Emi“ Ehmann;
die Kölner Liedermacher und Schriftsteller Bert Brune und Jens Hagen
sowie Weggefährten Rolf-Dieter Brinkmanns: die Autorin Ingeborg Middendorf und den Literaten, Poeten, DJ und Gastronomen Ralf Rainer Rygulla.

2002 | Indien | mit meinen Lieblings-Studentinnen Yesha, Rujuta, Payal, Dhara, Vibha und Shrida im Department of German of German der Maharaja Sayajirao University of Baroda | Vadodara Baroda
2002 | Indien

Auf Einladung von Professor Natarajan darf ich zwei Monate lang als Gastdozent am Department of German der Maharaja Sayajirao University of Baroda in Indien weilen.

Meine Seminare: „Gegenwartsliteratur“ und „Deutsche Tageszeitungen“ bei den Germanisten. Mit den Journalisten mache ich Workshop: „Medienlandschaft in Deutschland“.

Sechs aktuelle Romane – je drei – für die Studentinnen bekomme ich von den Verlagen spendiert. Zwei Monate vor Dienstantritt in Indien schicke ich die Bücher nach Baroda, die Tageszeitungen – je drei FAZ, taz und BILD sowie Kreiszeitung Syke, Neue Presse Hannover und Oldenburgische Volkszeitung vom selben Erscheinungstag – nehme ich mit ins Fluggepäck.

In Dreiergruppen wird die jeweilige Publikation gelesen, erarbeitet und an ausgewählten Beispielen vorgestellt. In der Germanisten-Bibliothek sitze ich hier im Bild zusammen mit meinen Lieblings-Studentinnen Yesha, Rujuta, Payal, Dhara, Vibha und Shrida. Neben Professor Natarajan und Bauunternehmer Adil Kontraktor, mit dem ich beim Tee nach dem Frühsport im Park Kamati Baug ins Gespräch komme, sind es die sechs Studentinnen, die mir immer wieder auf Ausflügen und Exkursionen ihre Stadt und ihr Land zeigen.

Auf die Reise nach Indien bringt mich mein Vechtaer Freund Christoph Grote zum Flughafen nach Frankfurt. Und verabschiedet mich mit einem Überraschungs-Geschenk: Eine Internetseite hat er mir eingerichtet. Auf der habe ich fortan zu berichten. Täglich. Mein Indien-Tagebuch. Von Internetcafés aus schreibe ich und stelle noch auf Papier entwickelte Fotos ein. Ja, täglich. Stromausfälle beeindrucken mich nicht; fang ich eben an von vorn. Und meine Studentinnen chatten mit mir auf der Seite.

Dank Gunter Geduldig, dem damaligen Leiter der Vechtaer Uni-Bibliothek, können wir die Bibliothek der Germanisten in Baroda später um fast 600 Bücher ergänzen. Die in Vechta abgeholte Lieferung frei Haus stiftet uns die Deutsche Post DHL.

Nach diesem überwältigenden Gastspiel in Indien, sind ein Jahr Professor Natarajan und ein anderes Studentin Shrida unsere Gäste in Hannover. Außerdem macht Bischof Godfrey de Rozario von Rom aus Station bei uns. Den indischen Kirchenmann habe ich ebenfalls in Baroda kennen gelernt.

2004 | Eiswasser Verlag auf der Buchlust | Hannover
2004 | EISWASSER VERLAG

Nachdem die ersten beiden Ausgaben der Literaturzeitschrift EISWASSER noch im Sagurna Verlag erscheinen, gründen wir Ende 1996 zu sechst den Eiswasser Verlag, für den ich erst zusammen mit Cornelius Riewerts und später allein die Geschäfte führe.

In EISWASSER stellen wir in Erstveröffentlichungen wie Erstübersetzungen europäischer Literatur vor; unsere Länder-Anthologien bringen frische Texte aus Finnland, Griechenland, Irland, Norwegen, Schweiz und Wales. Dazu machen wir Bücher: mit und über Dichtung und Geschichte. Zusammen mit Autorinnen und Autoren präsentieren wir die Publikationen in Brake, Frankfurt am Main, Goldenstedt, Oldenburg i.O., Hamburg, Hannover, Lötzbeuren, Solothurn und Vechta. Immer mal wieder organisieren wir – zumeist in Kooperation mit der Rolf-Dieter-Brinkmann-Gesellschaft – literarische Veranstaltungen. 2004 werden wir für unsere Arbeit mit dem Niedersächsischen Verlagspreis geehrt. Im selben Jahr lädt uns die kleine feine Buchmesse BUCHLUST ins Künstlerhaus nach Hannover ein (Bild). Jedes Jahr an einem Wochenende im Spätherbst dürfen dort so zwei Dutzend „beste“ unabhängige Buchverlage zeigen, was sie haben und können.

Unglücklicherweise aber verhält es sich mit vielen Unternehmens-Gesellschaftern mitunter so, wie mit vielen Köchen, die einen Brei verderben. Unter zweien von uns gibt es Streit, dass es kracht. Der Streit strahlt aus auf das große Ganze. Und eine ansonsten großartige Zeit endet 2005.

2006 | Indien | Mittag | Schule des Bistums Baroda | Gujarat
2006 | Indien

Zu Gast bei Bischof Godfrey de Rozario, Pater Pablo, den Pfarrern Malcom und Francis sowie Haushälterin Gajara im Bishop’s House in Baroda.

Zusammen mit Father Malcom besuchen Susanne U. und ich Schulen, die das Bistum Baroda betreibt (Bild), unabhängig von deren Religionszugehörigkeit für Kinder, die sonst kaum die Chance auf regelmäßiges Essen und Schulbildung hätten. Vor allem für die in Dörfern tief im Landesinneren lebenden sogenannten „Tribals“, die ansonsten ausgenutzt und chancenlos um das tägliche Überleben kämpfen. Um ein Stück Brennholz, um etwas Getreide, um eine Schale Milch. Fünf der Schulen besuchen wir.

Zusammen mit Bischof Godfrey und Gefolge feiern wir Heilig Abend die Mitternachtsmesse in der schrill erleuchteten Kirche von Baroda. Und besuchen danach noch bis hinein in den Morgen die Ordensschwestern eines nahe gelegenen Klosters. Im ansonsten alkoholfreien Bundesstaat Gujarat gib’s dort – zur Ausübung der Religion – einige Glas Messwein.

Auch gehen wir auf Exkursion mit Professor Natarajan und seinen Studentinnen. Wir besuchen eine der besten Kunst-Hochschulen Indiens: die Faculty of Fine Arts der Maharaja Sayajirao University of Baroda. Und das Atelier in einer ehemaligen Industriehalle, das eine Unternehmerin für ein Dutzend Kunst-Absolventen zur Verfügung stellt. Für die Miete von einer künstlerischen Arbeit pro Jahr.

2009 | Polen | mit Susanne Uhlmann | WARMIA I erste Recherche-Reise I Gdansk Danzig
2009 | Polen

Zum Abschluss der ersten Recherche-Reise für den Roman WARMIA geht es nach Gdansk (Danzig). Den finalen Recherche-Wodka nehme ich mit Susanne Uhlmann auf der großartigen Ulica Piwna. Ein Bild Coole Sau muss sein.

2010 | Millstatt | Roman-Konzept WARMIA
2010 | Millstatt

In der Villa Verdin am Millstätter See entstehen Konzept und Aufbau des Romans WARMIA. Ein guter Ort für das Schreiben. Wenn ich hier arbeite, schaffe ich in drei Stunden vorm Frühstück soviel, wie daheim am ganzen Tag.

2011 | am 50. Geburtstag vorgelese | Weinbar Ihmerauschen | Hannover
2011 | Geburtstags-Lesen

Bevor es an den Roman geht, versuche ich mich am Erzählen. Wer gewohnt ist, nicht mehr zu schreiben als 250 Zeitungszeilen lang, muss sich die Epik erstmal erarbeiten. Und ausprobieren. Gekaperte Lesungsgäste an meinem 50. Geburtstag hören mir die halbe Stunde gut zu. Da geht was.

2012 | Das Experiment: Erdbeerburg & Trompete kommt um acht
2012 | Erdbeerburg & Trompete kommt um acht

Für das große Vorhaben WARMIA trainiere ich die Langstrecke: Start, Wegführung, Ziel. Krafteinteilung, Disziplin, Motivation. Antritt, Durchlauf, Zwischenspurt. Endspurt, Zieleinlauf, Durchpusten. Ich schreibe einen Testroman in zwei Versionen. Zu zwei Fassungen derselben Geschichte kann es kommen, weil ich auf günstige Konstellationen stoße.

Hofheim / Taunus verhält sich zu Frankfurt am Main wie Gehrden / Deister zu Hannover. Dieselbe fiktive Handlung kann ich nachvollziehbar in beide Landschaften hineinschreiben: Weil es hüben wie drüben einen von vornehmlich gut betuchten Leuten bewohnten Berghang gibt, aus dessen Villen und Häusern man bei gutem Wetter bis hinüber in die Großstadt schauen kann. Weil es zwischen Städtchen am Berg und Großstadt Erdbeerfelder gibt. Und weil sich die Gefühle der Fußballfans von Eintracht Frankfurt zu Kickers Offenbach ziemlich so verhalten wie die der von Hannover 96 zu Eintracht Braunschweig. Der Reiz, den Roman zu spiegeln, wird noch durch einen besonderen Unterschied befeuert: Hannoveraner sprechen Hochdeutsch (in „Trompete kommt um acht“). Vier der sechs hessischen Hauptfiguren in „Erdbeerburg“ babbeln. Sie reden Frankfodderisch.

Heraus kommt ein vor allem kurzweiliger Roman über Männerfreundschaft und ihre Rituale, über das Beisammensein, über das Fortkommen und das Auseinanderdriften, über die Nähe und das Verstecken. Über das Finden und Verlieren der Frauen. Über Frohsinn und Kummer. Über Glück und Unglück. Über männliche Schrullen. Über das Wiedersehen. Über Aberwitz und Ohnmacht. Über Mut wie Selbstzerstörung.

Kapitelweise via facebook wie über die Publishing-Plattform epubli bringe ich die Geschichte(n) als „Erdbeerburg“ wie „Trompete kommt um acht“ unter einen erweiterten Freundeskreis. Und sauge Nektar aus den Reaktionen. Mein Rüstzeug für den Roman WARMIA.

PS: Dass so ein in zwei Gegenden dupliziertes Geschehen nicht beliebig übertragbar ist, das muss ich einem Verlag mitteilen, der gerne publiziert hätte. Hätte. Hätte. Ich hätte „nur“ auf Stuttgart umschreiben müssen. Sorry, nee.

Sagurna liest aus ``Erdbeerburg``...
...und aus ``Trompete kommt um acht``.
2013 | Reiseführer Oldenburg | mit Oberbürgermeister Gerd Schwandner (l.) und Co-Autor Jörgen Welp2011 | am 50. Geburtstag vorgelese | Oldenburg
2013 | Reiseführer Oldenburg

Nachdem ich fast dreienhalb Jahre das Pressebüro von Oldenburg in Oldenburg lenkte, kann ich mich für die gute Zeit in der hübschen Stadt mit einem Handbüchlein über Oldenburg und umzu bedanken; der Mitteldeutsche Verlag Halle publiziert es. Als Co-Autor gewinne ich dafür Jörgen Welp (rechts). Der kennt jeden Tag Oldenburger Geschichte, jeden Kubikmeter Oldenburger Architektur, jeden Quadratmeter Oldenburger Parklandschaft. Meinem Ex-Boss, Oberbürgermeister Gerd Schwandner (links), gefällt unser kleiner Reiseführer. Muss ja.

2014 | Polen | mit Izabela Treutle | WARMIA Recherche-Reise II
2014 | Polen

Auf der zweiten Recherchereise für WARMIA durch den Norden Polens komme ich dank einer Empfehlung zu grandioser Unterstützung: Viele Tage begleitet mich die Journalistin, Bloggerin und Ermland-Kennerin Izabela Treutle aus Lidzbark Warmiński (Heilsberg).

2016 | WARMIA | letzte Korrekturen | Hannover
2016 | letzte Korrekturen

Letzte Korrekturen und ein zusätzliches Kapitel, nachdem meine fünf Testleserinnen und Testleser mit WARMIA durch sind und ich deren Kritik eingesammelt habe.

Erste Recherchereise durch Nordpolen Winter 2009. Roman-Konzept 2010. Interviews mit Zeitzeugen 2011. Hintergrundlektüre: Romane, Reiseberichte, Reportagen, Erinnerungen, Poesie und insbesondere Geschichtsbücher. Schreiben. Schreiben. Zweite Recherchereise Sommer 2014. Schreiben. Schreiben. Schreiben. WARMIA ist fertig.

2017 | Manuskript WARMIA
2017 | WARMIA

Das Roman-Manuskript will Buch werden. Wer macht’s?

Pop Verlag
2018 | Leipziger Buchmesse

Frühlingsblüte: Der Ludwigsburger Verleger Traian Pop gibt mir die Hand: „Dein Roman WARMIA erscheint dieses Jahr zur Frankfurter Buchmesse im POP-Verlag!“

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2018 | NDR Nachtclub

1968 und 1969 geben Rolf Dieter Brinkmann und Ralf-Rainer Rygulla drei spektakuläre Bücher mit deutschen Übersetzungen und Nachdichtungen amerikanischer Texte aus dem „Underground“ heraus: „Fuck You“, „Silverscreen“ und „ACID“ heißen sie. Das erste Mal lesen wir hier Autorinnen & Autoren wie Ted Berrigan, Leslie A. Fiedler, Edward Dorn, John Perrault, Frank O’Hara, Taylor Mead, Andy Warhol, Tuli Kupferberg, Ron Padgett, Gerard Malanga, Leonora Kandel, Charles Bukowski, John Giorno, Michael McClure und Joe Brainard.

NDR-Moderator Andreas Moll, Elektropunk Knarf Rellöm und ich feiern diese Sinnlichkeit der Worte 50 Jahre später in ausgelassener Radioparty im NDR Nachtclub. In Hamburg.

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2018 | Frankfurter Buchmesse

Herbstfrucht: Der POP-Verlag stellt seine Neuerscheinungen vor. WARMIA ist dabei. In meiner alten Heimatstadt Frankfurt lese ich vor; zusammen mit georgischen, rumänischen und deutschen Kolleginnen und Kollegen: In der Denkbar und in Messehalle 5 (auf dem Bild zusammen mit Regine Kress-Fricke, Adriana Carcu und Barbara Zeizinger).

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2019 | WARMIA 2. Auflage

Auch wenn es hier nicht um zehntausende Bücher geht, dass die 2. Auflage des Romans schon im Januar im Handel ist, freut Verlag & Autor. WARMIA, eine ungewöhnliche Liebesgeschichte, die sich 80 Jahre nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges mit dessen Folgen beschäftigt. Eine Geschichte um Flucht & Vertreibung. Um Schmerz & Gewalt, Missbrauch & Macht. Um Polen & Ostpreußen. Um Religion & Geschichte. Und um starke Frauen.

Lesung Vechta / Foto: Hubert Kreke
2019 | Vechta

20 Jahre ist es her, dass ich aus Vechta nach Hannover zog; nun komme ich zurück, um auf einem literarischen Abend aus dem Roman WARMIA vorzulesen. Und zu plaudern. Am 16. Januar ist der Saal voll im Gulfhaus, wir müssen Stühle nachstellen. Sogar aus Oldenburg und Cloppenburg reisen Gäste an.

Eingeladen hat mich die Buchhändlerin Elisabeth Vatterodt. Seit mehr als 30 Jahren holt sie Autorinnen & Autoren in die Stadt. Dass sie das nach wie vor macht: W O W ! Wo andere ob der Konkurrenz aus dem Internet ihre Geschäfte schließen, nimmt hier eine Geld in die Hand. Und belebt Kultur.

In Vechta; (m)einer Heimat für 22 Jahre; (auch heute noch) mit guten Bekannten; mit Freunden; wo ich gut studierte; wo ich gut arbeitete mit guten Kolleginnen & Kollegen.

Vechta, die Stadt von Stoppelmarkt, Basketballwunder Rasta & Poet Brinkmann. Vechta, die Stadt mit DEM Gulfhaus.

Wo ich einst – aus Frankfurt in die Schulferien zu Oma & Opa gereist – Theke machte und den Saal ausfegen half, derweil Gibbon die ersten Kippen drehte und Oli Olberding von seinem zum DJ-Mischpult umgebauten Traktor aus die Musik ins Haus bolzte: Hannes Waders, „Tankerkönig“, „Radioaktivität“ von Kraftwerk, „School“ von Supertramp oder „Schools out“ von Alice Cooper.

Wo wir anständig abtanzten und erste Knutschereien hatten.

Wo wir zahllose Konzerte sahen und feierten; Bands aus Berlin, Hamburg oder Frankfurt: Octopus, Tritonus hießen sie oder Franny and the Fireballs.

Wohin wir später – als Rolf-Dieter-Brinkmann-Gesellschaft – die Schriftstellerinnen & Schriftsteller holten. Zu literarischen Abenden.

Nun darf ich. Und Hubert Kreke macht ein Foto.

WARMIA bei Annabee Hannover
2019 | Schaufenster-Premiere

Für jede*n ein anderes Blau: WARMIAs Schaufenster-Premiere kommt zur 2. Auflage bei Annabee in Hannover. In Begleitung der neuen Bücher von Karolien Berkvens, Fabio Geda, Bodo Kirchhoff, Anne Cathrine Bomann, Anne Tyler, Karen Duve, Helen Oyeyemi, Thomas Hürlimann, Lina Wolf und Siri Hustved. Passt.

Leipziger Buchmesse 2019 / Stand POP Verlag
2019 | Leipziger Buchmesse

Vor 80 Jahren, am 1. September 1939, begann der Zweite Weltkrieg mit dem deutschen Überfall auf Polen; im Roman WARMIA spielen die Folgen daraus eine elementare Rolle. Auf der Leipziger Buchmesse stelle ich das in den Mittelpunkt meiner Lesung im Café Europa in Halle 4; im Kreise meiner wunderbaren Kolleginnen, Kollegen & Gefährt*innen aus Deutschland, Polen, Rumänien, Schweiz, Tschechien und Ungarn. Für acht literarische Runden an vier Tagen versammelt uns unser POP-Verlag, um vorzutragen, zu diskutieren und zu plaudern.  

1. Arbeitstreffen mit Ralf-Rainer Rygulla April 2019 in Hannover
2019 | IM OSTEN GEHT DIE SONNE AUF !

Als Ralf-Rainer Rygulla vor 51 Jahren die Anthologie „Fuck You“ und vor 50 Jahren zusammen mit Rolf Dieter Brinkmann „ACID – Neue amerikanische Szene“ herausgab, bliesen die dafür entdeckten Texte von Ted Berrigan, Leslie A. Fiedler, Frank O’Hara, Taylor Mead, Charles Bukowski, Andy Warhol, Tuli Kupferberg, Ron Padgett, Gerard Malanga, Leonora Kandel, William S. Burroughs oder Frank Zappa scharfe neue Töne aus dem Westen nach Europa. Ein poetischer Sturm. 

Als Boss des Frankfurter Clubs Cooky’s begrüßte Rygulla Mick Jagger, Prince, Steffi Graf, Otto Waalkes oder Rainald Goetz zu Chill & Tanz als seine Gäste, seinen berühmten Techno-Club U60311 eröffnete er mit einer Lesung des Lyrikers Gerald Zschorsch; zur Buchmesse machte  Suhrkamp hier Verlags-Party. Für sein Musikprojekt „Moltostuhl“ brachte der gebürtiger Kattowitzer solch unterschiedliche Musiker wie Heiner Goebbels, Heinz Felber und Rio Reiser zusammen.

Nun bereite ich zusammen mit ihm ein Lesebuch vor: IM OSTEN GEHT DIE SONNE AUF ! Versammeln wird diese Anthologie Stars der Poesie aus dem Osten Europas. Für ein erstes Arbeitstreffen ist Rygulla Anfang April für drei Tage aus Frankfurt nach Hannover gekommen.

Unsere Favoriten aus publizierten Büchern gleichen wir ab, lesen einander vor, sichten erste eingesandte Manuskripte und kreisen die inhaltliche Ausrichtung des Lesebuches ein. Einig sind wir uns: Eine Sammlung mit dem, was uns begegnet und gefällt, das wäre zu wenig. Zu viele osteuropäische Autori*nnen haben wir schon idenfiziert, die zeigen uns eine grandiose Poesie, eine Dichtkraft, die traut sich. Und kann. Etwas, das hierzulande womöglich (noch) abprallt und verschreckt, weil wir es uns so lange schon so modisch und gemütlich machen.

Vorstellen wollen wir unser im POP Verlag Ludwigsburg erscheinendes Lyrik-Lesebuch Ende 2019 / Anfang 2020. Bis Ende Juli suchen wir dafür noch unveröffentliichte deutsch übersetzte Texte. Bitte lesen Sie: The Sun rises in the East !

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2019 | KURT : 1. Hannoversche Autor*innenkonferenz

Im Februar initiiert Annette Hagemann vom Kulturbüro Hannover ein Treffen der professionellen Autorinnen & Autoren aus Stadt und Region. Um die 70 kommen ins Künstlerhaus: Beschnuppern & Ideen zusammentragen. Ab heute gibt es das Autor*innennetzwerk Hannover. 

Eine Idee nehmen wir uns gleich vor: Die Lyrikerin Hagemann, der Erzähler und Essayist Achim Engstler und ich entwickeln und vorbereiten: KURT 2019, die 1. Hannoversche Autor*innenkonferenz. Wer dabei sein will, bewirbt sich mit bis zu fünf Seiten Dichtung. Es kommt reichlich; wir drei sichten und wählen aus: Prosa-Stücke aus in Arbeit befindlichen Manuskripten. 

Für die Leitung von Schreibwerkstatt und Textkritik gewinnen wir die Medien-Professorin und Schriftstellerin Gabriela Jaskulla sowie den Journalisten Martin Reckweg vom NDR. 

Zu unserer von Stadt und dem Verband Deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller ausgerichteten Veranstaltung laden wir zwölf Schreibende ein; über Pfingsten geht es in der Fachhochschule des Mittelstands Hannover an die Texte. Mit dabei sind:

Nicole Balschun, Naby Benjamin Berdjas, Gyde Callesen, Bodo Dringenberg, Eva Horter, Leander Fischer, Nima Moraghebi, Tobias Premper, Alexander Rudolfi, Barbara Schlüter, Axel Schnell und Tarja Sohmer; Thomas Klupp setzt uns mit seinem Impulsreferat gleich anständig auf die Spur; journalistischer Gast ist Bert Strebe (Hannoversche Allgemeine Zeitung).

Und: Wir vergeben den neuen Literaturpreis KURT; zart dotiert, aber – das ist was Besonderes – vergeben von uns allen, von uns Autorinnen & Autoren selbst : wir küren Alexander Rudolfi.

Galerie-Fotos von Marco Sagurna, Gabriela Jaskulla (4), Achim Engstler (1):

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2019 | Literarisches Speeddating

Literarisches Speeddating Nr. 2 in der HELDRAUMSTATION Hannover : MITTWOCH, 28. August, 19:30 Uhr, lese ich zusammen mit den Autor*innen  Hartmut El Kurdi, Ilo Gansel, Jörg Kastner und Margarete von Schwarzkopf auf Einladung des städtischen Kulturbüros.

10 Minuten lesen 10 Minuten plaudern : fünf Lesestationen : fünf Autor*innen : zapp : zapp : zapp : zapp : zapp : raketenschnell. Dichtung tanzt.

Mehr dazu: HIER