Gedichte ÜberKunst
PoemsOnArt

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ANZUFASSEN, AKTUELL & EWIGLICH

Pandemische Umstände thematisieren sie nicht, die Gedichte ÜberKunst; gleichwohl führte Corona zu dieser Poesie: Der Galerist Ralf Lake hatte mich um Schützenhilfe für die feierliche Eröffnung seiner Jubiläumsausstellung Anfang 2021 gebeten. Virtuell feierlich natürlich; gewünscht war für den Galerie-Blog gesprochener Text zu ausgewählten Arbeiten. Natürlich half ich. Aber anders: Aus Bildern wurden poetische Texte. Und weil ich in Poesie wie Kunst verwoben von Kind an lebe, passt das als Buch. Mit welchem Verlag, wir werden sehen.

Im Werden ist das Buch schon jetzt präsent: Auf YouTube unter „Marco Sagurna Gedichte ÜberKunst“ sind die fertigen Texte vom Autor vorgetragen zusammen mit ihrer Quelle der Kunst online. Im Buch sollen diese wie neue YouTubes per QR-Code multimedial angedockt zu erleben sein. Poesie & Kunst sind im neuen Leben angekommen. Zusammen. Da.

 

DIE LESEREI & DAS STAUNEN

Ein Buch voll von Gedichten ÜberKunst. Nicht umgekehrt illustriert. Kein Text zum Bild. Sondern unmissverständlich eine Poesie, die für sich steht. Eine Poesie, die selbst im Stande ist, Bilder hervorzurufen. Denken zu entfachen. Sinnliches zu erwecken. Eine Poesie, die das Bild ihrer Quelle nicht braucht. Die aber ohne ihre Quelle, die Kunst, nicht entstanden wäre. Deshalb und weil so ein Buch so seine Dimensionen auch sinnlich erweitert, besteht dieses Buch aus Gedichten u n d  Kunst. Am Ende womöglich deutsch wie auch englisch übertragen.

 

PROTOKOLLE POETISCHER BEGEGNUNGEN

Zwischen Künstler*innen, Aussteller*innen, Kurator*innen und mir entwickeln sich durch diese sehr spezielle Situation des Lebens und Schaffens im Lockdown nie gewesene Gespräche. Online im Videotreff, mailisch wie auch am Telefon und im Austausch von Brief und Paket per Post. Und in klandestinen Treffen auf Abstand in Ateliers, Galerien, Kunsthallen: mit Maske, Handschuhen, Desinfektionsfläschchen.

Gespräche sind, die Literatur und Kunst miteinander verwickeln, verschmelzen und die gemeinsame Fragen an das Leben haben. Fragen, die ich für die Literatur durch Gedichte aus der Kunst heraus zu beantworten suche. Oder stelle.

Die Künstler*innen erzählen mir von sich. Von ihrem künstlerischen Tun. Ich stöbere in ihrem Werk, besuche ihre Kunst, betrachte, schaue, lese, spreche, höre zu und so fort. Bis die entsprechende Kunst für mich sozusagen durchmeditiert ist; kontemplativ – dann wird Gedicht aus Bild oder Objekt.

Innerhalb meiner gewählten Strophik gibt es individuell jeweils eine strenge Struktur – wiewohl sich das alle Freiheiten dabei nimmt, die mir geschriebene Sprache erlaubt: musikalisch, rhythmisch, inhaltlich oder erzählerisch. Die Kunst ist es, die mit mir und meinem Schreiben spielen darf wie sie will. Bis dass der Text sagt, ich bin fertig.

Das Buch mit diesen Gedichten und ihnen zur Seite gestellt die Fotografien der dieser Lyrik vorgewesenen Kunst: So bekommt bildende Kunst eine schreibende Kunst, die sie besingt. Die in Texten versammelt im Projekt Gedichte ÜberKunst poetisch exklusiv vorgestellt wird. Poesie als Poesie aus Kunst – und doch auch als Gesang für sich ganz allein. Gedichte aus Lieblingskunst.

Lieblingskunst, weil sie es schon war. Oder weil sie es wurde. In einer durch Pandemie so durch und durch geprägten Zeit vorgestellt und oder entdeckt. Echtes, präsentiert in echten Ausstellungen. Dank günstigem Inzidenzwert wie coronagerechter Organisation auf Abstand zu besuchen, vor allem aber nur virtuell. Begegnungen in Endgeräten. Berühren und anfassen ohne Berühren und Anfassen.

Angesprochene Künstler*innen lassen sich auf mich ein, erlauben mir, ihre Arbeit zu poetisieren wie es auch kommen mag. Für mein Projekt überlassen sie mir die Fotografie einer ihrer Arbeiten. Unser Vertrag: Für das nicht exklusive Recht, dieses Foto auch online im laufenden Projekt wie später im Buch nutzen zu dürfen, sichere ich dafür drei Belege des Buches zu. Eine Vereinbarung, die auch gilt, wenn ich die Chance habe, selbst zu fotografieren (dass Künstler*in das entsprechende YouTube für eigene Belange verwenden kann, ist eh klar).

Aus diesen coronagerechten Begegnungen live und online wurden bisher Gedichte ÜberKunst von in Deutschland, Frankreich, Indien, Österreich, Polen, Südkorea, Japan, Mexiko und den USA arbeitenden Künstler*innen. Von Undine Bandelin (oben ein Ausschnitt aus ihrer Arbeit „Das Bad“), Ariane Boss, Ha Haengeun, Camille Henrot, Endy Hupperich, Ajay LakheraAnne Nissen, Michael Ramsauer, Deborah Sengl, Peter Sengl, three mit Hironori Kawasaki, Jörg SteinLech Twardowski, Kerstin Schulz und Armin Völckers. Gefunden habe ich sie in Ateliers, in der Oldenburger Galerie Lake, im FORUM KUNST contemporary in Millstatt, in der Galerie The Grass is Greener in Leipzig, in Lötzbeuren im arbastrella – Biotop für Kunst und Poesie, im Nationalmuseum Wrocław, in der Faculty of Fine Arts der Maharaja Sayajirao University of Baroda, der Kestner Gesellschaft Hannover sowie in der König Galerie Berlin London Seoul.

 

GRENZEN: ACH HÖRT MIR AUF

Verängstigend, zerstörerisch, tödlich schert sich Corona einen Dreck um Grenzen; völkerverbindend belebt mein Projekt genreübergreifend den internationalen Austausch – huups, das klingt wie Politik. Und ist Poesie: 15 Gedichte ÜberKunst sind es bisher. 52 – pro Woche im Jahr eines – könnten das Buch füllen (fifty-fifty aus der Kunst von Frauen wie Männern).

Ich mache weiter, suche Kontakt zu weiteren Kunsthallen und Künstler*innen. Und ihren Arbeiten, in denen die Schöpfer*innen etwas erzählen oder ansprechen, anleuchten oder erstrahlen lassen, erheben oder umstürzen, verarschen oder entlarven, feiern oder auslachen, auspacken oder einwickeln, entschlüsseln oder verklausulieren. Etwas, das die Schöpfer*innen haben entstehen lassen. Etwas, das fertig ist. Da. Nun auch in Gedichten.

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TO TOUCH: IN THE PRESENT AND ETERNALLY

Although Coronavirus gave rise to this poetry, it does not address the conditions created by the pandemic. Gallery owner, Ralf Lake, had asked for my support at the ceremonial opening of his Jubilee Exhibition at the beginning of 2021 – a virtual celebration, of course. He wanted some spoken texts to accompany a selection of works for the Gallery Blog. Naturally, I helped. But in a different way: poetic texts developed from images. Since childhood, my life has been interwoven with poetry and art; this became a book. We shall see, which publisher takes it.

The book is already present in its evolution. The completed texts of PoemsOnArt, read by the author, along with images of the works that inspired them, can be found on YouTube. These clips need to appear in the book or be experienced through a linked QR multimedia code. Poetry and art have arrived in a new life. Together. Present.

 

READING AND MARVELLING

This is a book of PoemsOnArt, neither art illustrated by poems nor poems illustrated by art; this is poetry which presents itself unequivocally, poetry that can conjure up images and spark thought, that can awaken something meaningful. This poetry is independent of the image that inspired it. These poems might possibly be presented in English translation also.

 

PROTOCOLS OF POETIC ENGAGEMENT

This exceptional situation of living and creating during lockdown gives rise to a new conversation between artists, exhibitors, curators and myself – a relationship cultivated through online video meetings, phone conversations, email, letter and package exchanges, as well as clandestine meetings in workshops, studios and galleries, necessitating social distancing, masks, and bottles of hand-sanitizer.

Such conversations mesh and blend literature and art together; they ask the same questions of life. These are questions which I attempt to answer for literature through poems from art. Or I ask the questions.

The artists tell me about themselves and their artistic endeavours. I interrogate their work, visit their art, contemplate, look, read, speak, listen and so forth until my meditation enables the right art to come into being. Then the image or object becomes a poem.

Within my chosen verse form each piece has its own strict structure, although I draw on all the freedom that written language allows – rhythmic, musical, content or narrative. Art is something that may play with me and my writing as it wishes. Until the text says that it is complete.

The book of these poems alongside the photographs of the art that inspired and pre-existed them, gives a written form to each piece of visual art and celebrates it. The PoemsOnArt collected in this project will be presented as poems in their own right. Poetry as poetry from art and certainly also as a song for its own sake. Poems from favourite art.

Favourite or loved art, because that is what it was, or that is what it became – Art introduced or discovered during a time when the pandemic pervaded everything so deeply. Authentic, presented in authentic exhibitions. Thanks to reasonable incidence rates and corona-compliant, socially distant visits, or virtual encounters at remote terminals, it was touching and feeling without actually touching and feeling.

The artists I approached engaged with me and allowed me to turn their work into poetry, no matter what the result was. They allowed me to use photographs of their work for my project. Our contract permitted me non-exclusive rights to use the photographs online in the developing project as well as, at a later stage, in the book. I would give them three copies of the book in exchange. This agreement is also valid when I have had the chance to take the photograph myself. Of course, artists clearly have the right to use the relevant YouTube clips for their own purposes.

To date, these corona-compliant live and online meetings have given rise to PoemsOnArt from artists working in Germany, France, India, Austria, Poland, South Korea, Japan, Mexico and the USA:  Undine Bandelin (above an excerpt of a photo from her work „Das Bad“), Ariane Boss, Ha Haengeun, Camille Henrot, Endy Hupperich, Ajay LakheraAnne Nissen, Michael Ramsauer, Deborah Sengl, Peter Sengl, three with Hironori Kawasaki, Jörg SteinLech Twardowski, Kerstin Schulz and Armin Völckers. I found them in studios, in Galerie Lake, Oldenburg in the FORUM KUNST contemporary in Millstatt, in the gallery The Grass is Greener in Leipzig, in Lötzbeuren in the arbastrella – Biotope for Art and Poetry, in the Nationalmuseum Wrocław, in the Faculty of Fine Arts of the Maharaja Sayajirao University of Baroda, in Kestner Gesellschaft Hannover and in König Galerie Berlin London Seoul.

 

NO BORDERS

Frightening, destructive and deadly, Corona leaves its mess around borders. My project brings peoples together, reaching out and invigorating international exchange –oops! That sounds like politics. But it is poetry! So far there are 15 PoemsOnArt. The book could be made up of 52 – one for every week of the year (with equal representation of women and men artists).

I am continuing in this work. I would like contact with more Art galleries and artists, and their work, to encounter work whose creators narrate or address, illuminate or set ablaze, elevate or topple, make fun of or expose, reveal or envelop, decipher or encode. Something the creators have allowed to come into being. Something that is complete. There. And can be in poems.

Translated into English by Deirdre McMahon